Werdegang eines Schlagzeugers

Little Drummerboy - unser Trommler Timo
Vom Spielmannstrommler im Fischerhemd  zum Bandschlagzeuger im Frack

      
Timos erster Trommeltag im Juni 1989 und Einsatz am Schlagzeug im August 2004

und Ende 2004 beim Fotoschooting von Top Union

Ein paar Wochen, bevor unser Timo geboren werden sollte, übernahm sein Vater die musikalische Leitung in einem anderen Spielmanns- und Fanfarenzug, seine Mutter gesellte sich gern als Zuschauerin dazu. So hörte Timo schon im Mutterleib die Musik der Rendsburger Husaren. Der Verein bereitete sich zu dieser Zeit auf ein Nordmarkhallenkonzert vor und probte entsprechend häufig. Als Timo etwas später auf die Welt kam, wurde er von den Spielleuten herzlich in Empfang genommen und es ergab sich, dass Eltern von Spielern den Kleinen an sich rissen und seiner Mutter, die musikalisch erfahren war, eine Flöte in die Hand drückten um die Mannschaft zu verstärken. In den ersten fünf Monaten seines Lebens verbrachte Timo also oft seine Zeit neben den musizierenden Kindern in der Rotenhofschule und Nordmarkhalle. Es machte ihm nichts aus, er wurde betüddelt, gefüttert und schlief sogar beim ärgsten Krach. Also blieb es auch nach dem Konzert dabei, dass seine Eltern aktiv waren.

 Irgendwann sah man den Stöpsel in einer gestrickten Uniform mitten im Musikzug in der Karre sitzen, denn beim Marschieren kam es anfangs vor, dass die Karre-schiebenden Betreuer unterwegs abgedrängt wurden und Timo verlorenging, was seinen Eltern absolut nicht gefiel. Also setzte man die Karre mitten in den Zug, wenn es wühlig wurde. Da die Musik zu Timos täglichen Leben gehörte und alle Vereinskinder sich um das Baby kümmerten, orientierte sich Timo schon im ersten Lebensjahr an ihnen. Kaum konnte er "baba" sagen, fing er auch schon an den "Berliner Ruf" mit dieser Silbe zu trällern - wohlgemerkt inclusive der Oberfanfare. Und zur gleichen Zeit begann er grundsätzlich zu trommeln oder Becken zu spielen, wenn er zwei gleiche Gegenstände in die Finger bekam, ganz gleich welche es auch waren. Timo konnte sehr früh gleichgeartete Spielleutegruppen unterscheiden und hörte ganz genau, ob der eigene Verein irgendwo spielte oder ein anderer. Nur eine Anekdote dazu ist:

Timo war 1,5 Jahre alt, als sein Verein ein Musikfest durchführte. Beim Sternmarsch blieb er auf dem Sportplatz zurück und schlief direkt am Eingang in der Karre. Die Musikzüge marschierten natürlich mit Musik an und auf; aber das kratzte Timo auch nicht, als sie unmittelbar an ihm vorbei kamen. Er schlief weiter ohne sich zu rühren. Als sich aber sein Verein als letzter dem Sportplatz näherte, schoss hoch und rief laut: "Babas Tsuk" und klatschte im Takt zur Musik. Solche Situtationen erlebten wir mehrfach.

1988 trennten sich die Eltern von Timo aus berechtigten Gründen vom Verein und wollten dem Spielleutewesen den Rücken kehren. Doch fast 30 weitere Mitglieder folgten ihnen und bedrängten sie weiterzumachen. Ein Zurück war, obgleich man es versuchte, nicht mehr möglich, da sich die neue Abteilungsleitung querstellte und der Hauptverein alle unzufriedenen Mitglieder zum Abgeben der Sachen binnen 24 Stunden aufforderte. Dieses Schriftstück erhielten auch völlig unbeteiligte Personen, die sich dann ebenfalls entschlossen abzudanken, und so kam man auf fast 40 Menschen. Um die Kinder nicht auf der Straße stehen zu lassen (die Eltern wollten sie nicht mehr im Verein lassen) und da mit Ausnahme einer Betreuerin der gesamte Vorstand, die Ausbilder und die Jugendsprecher mitgingen, entschied man sich zur Gründung des SFZ Rendsburg, dem heutigen Musikkorps Rendsburg. Zu dieser Zeit war Timo gut zwei Jahre alt, und da er schon rhythmische Fertigkeiten gezeigt hatte, wurde er als Maskottchen mit Rumbakugeln nun auch als Spieler eingesetzt.      


Gründungszeit des Musikkorps Rendsburg - der kleine Mann auf dem Bild ist Timo Klink (gut 2 Jahre jung)

Nun waren seine Eltern Hauptverantwortliche für den eigenständigen Verein und mussten immer da sein. Also musste auch Timo immer mit. Und der Kleine zeigte kräftig, was er sich schon alles heimlich angeeignet hatte. Er blieb im Rhythmus und hielt die Pausen in der Musik ein. Und manches mal ging ein lautes Raunen und Lachen durch das Publikum, wenn Timo sich völlig verausgabte um die Rumbakugeln in den kurzen Breakpausen stramm wie ein Zinnsoldat an die Hosennaht zu legen, auch wenn es nur zwei bis drei Taktschläge dauerte. Beigebracht hatte ihm das keiner: Timo orientierte sich einfach an unserem Schlagwerk, in dessen Reihen zu dieser Zeit recht stolze Trommler am Werk waren.

Timo war schon zu dieser Zeit zäh wie nichts Gutes und es machte riesigen Spaß ihn bei den Einsätzen zu beobachten. Wie ein gut dressierter Hund lief er stets links neben seiner Mutter her, so dass er nie verkehrt lief. Allerdings sollte das bei einem Musikfest in Gettorf eines Tages übel ausgehen. Der Verein sollte aufmarschieren; doch die Anfänger in den hinteren Reihen reagierten nicht. Also stiefelte Timos Mutter nach hinten um für Ordnung zu sorgen, und als sie sich wieder umdrehte, sollte sie feststellen, dass Timo mittlerweile eine Höhe erreicht hatte, die nicht unbedingt gut für ihn war. Sie rammte ihn nämlich mit der Unterkante der Trommel und Timo flog im hohen Bogen davon. Nun sollten die Betreuerinnen aber zu tun kriegen. Timos Blut spritzte nur so und ein paar Spieler fielen auch noch in Ohnmacht. Der Aufmarsch musste natürlich abgeblasen werden. Mit dem Krankenwagen ging es nach Eckernförde - eine unnötige Tour - ein Pflaster reichte nämlich. Als Timo mit seiner Mutter zurückkam, hatten sich alle soweit regeneriert, dass der Verein doch noch sein Konzert gab. Timo machte Theater, weil man ihn draußen lassen wollte. Und so nahm Betreuerin Ellen den Kleinen an der Hand mit, damit er seine Rumbakugeln schütteln konnte. Mitten im Konzert lief ihm dann ein Blutfaden über die Nase; aber das kümmerte ihn herzlich wenig. Er blickte - Rumbakugel spielend - zur Nachbarin hoch und rief nur kurz: "Ellen, es leckt!" :-D Ellen hielt ihm daraufhin ein Tempo auf das Pflaster und der Kleine spielte seinen Turn, als ob gar nichts wäre. 

Am Rande erwähnt ist dieses Musikfest in Gettorf der absolute Horrortrip in der Vereinsgeschichte des Musikkorps Rendsburg gewesen, den sicher keiner der damals beteiligten vergisst. Wir hatten knappe 20 Spieler, von denen zwei Familien - Spieler und Betreuer uns damals hängen ließen, weil sie bei dem schönen Wetter (34° im Schatten) lieber an den Strand fuhren. Das warf schon die ersten Probleme für den Rest auf. Tina sprang an der Trommel ein; aber während des Sternmarsches machten sich dann ihre Beine selbständig, so dass sie nicht mehr vorwärts  sondern seitwärts aus der Gruppe heraus weitermarschierte, mitsamt der Trommel auf einem Zaun landete und erstmal ausfiel. Gleich danach bekam eine Flötistin einen Anfall, wurde mit dem Rettungshubschrauber ins Rendsburger Krankenhaus geflogen. Andere Spieler litten im Lauf des Nachmittags unter Asthmaanfällen, Blinddarmreizungen u. m., lagen auf dem Sportplatz herum. Dazu kam Timos Geschichte mit Ohnmachtsanfällen und am Ende auch noch ein Nervenzusammenbruch. Die Sanitäter schüttelten nur noch den Kopf, wenn jemand im Fischerhemd auf sie zukam, und es ist fast unglaublich, dass wir an diesen Tag trotzdem noch fröhlich unser Konzert gaben.    

Als Timo 3 1/2  Jahre alt war, bekamen wir das HANA Skolekorps aus Sandnes in Norwegen für eine Woche zu Besuch: Frank Harley Eriksen, Dirigent der Gruppe, war überzeugt davon, dass Timo mehr kann. Und so schnallte er ihm bei einem Auftritt vor dem Stadttheater völlig unverhofft die erste Trommel um den Bauch, die er im Musikgeschäft Bock & Hinrichsen erworben hatte (ein altes DDR-Modell). Es war nicht zu glauben, Timo trommelte sofort richtig mit. Nur das Wirbeln und der Nachschlag bereiteten ihm noch einige Zeit Probleme. Bei einigen Titeln nahmen wir ihm in der Folgezeit also auch schonmal die Sticks weg, damit er unsere Musik nicht zerkloppt. Er brüllte dann zwar; aber letztendlich machte es ihm kaum etwas aus. Er trommelte in diesen Fällen einfach mit den Fäusten weiter, wie man auf dem folgenden Bild sieht. 


Nun folgte eine Zeit, in der der kleine Mann von der Öffentlichkeit richtiggehend gejagt wurde. Die Tatsache, dass seine Eltern als Leiter des damaligen Spielmanns- und Fanfarenzug Rendsburg recht bekannt in Rendsburg waren, sorgten dafür, dass man Timo auch ohne Uniform und Trommel beim Bummeln in der Stadt erkannte. Oftmals wurde die Familie vom Einkauf abgehalten, und Timo erkannte recht schnell, dass man als kleiner Star beliebt ist. Er wurde immer stolzer, was bei den Auftritten immer weniger zu übersehen war. Sehr stark in Erinnerung geblieben sind uns die Augenblicke, in denen Timo, während er mittrommelte, kleine Einsatzpausen nicht mehr zum Strammstehen nutzte, sondern blitzschnell die Sticks unter die Achseln klemmte um entweder sein Käppi oder auch die an der Brust prangenden Orden vom HANA-Skolekorps und der Turniade zu richten, weil diese sich manchmal drehten. Es war ein unglaubliches Schauspiel und Timo verpasste so gut wie nie den Einsatz nach solchen Aktionen. Das Publikum darauf  reagierte natürlich stark, so dass uns manches mal eine Gänsehaut über den Rücken lief.

Mit 5 Jahren wünschte Timo sich, dass er auch mal bei einem Wettstreit in die Wertung gehen darf. Er konnte es einfach nicht leiden draußen zu stehen, wenn seine Großen Freunde und Vorbilder Musik machten. Dafür mussten wir ihn allerdings zum ersten mal ganz ernsthaft ins Gebet nehmen, da man bei Wettstreiten keine Rücksicht auf das Alter nimmt. Timo musste auf seine kleinen Showeinlagen verzichten. Auch das bewältigte er mit Bravour. Er schraubte einfach die Zeit zurück und stand in den Päuschen wieder stramm. Bei seiner ersten Wertung in Husum reagierte das Publikum so laut auf diese Strammsteher, dass es zeitweise unsere Musik überdeckte und wir Probleme hatten weiterzuspielen. Bis heute bezweifeln wir auch, ob die Jury überhaupt imstande war gerecht zu werten; denn die Juroren waren deutlich erkennbar ziemlich abgelenkt von dem kleinen Trommler.

Nicht einmal so hoch wie das Geländer; aber schon in der Wertung dabei

In Pinneberg ging Timo durch die Presse, weil er sich durch nichts beirren ließ. Lediglich eine direkt vor seiner Nase fliegende Libelle ließ ihn etwas aus der Ruhe kommen. Timo ging eigentlich überall durch die Presse, und ohne Frage stand der kleine Bengel nicht einfach nur zur Zierde da, wie es häufig der Fall ist. Er konnte trommeln, und das bewies er immer wieder. Zu dieser Zeit entstand u. a. auch folgendes Foto bei einem Musiktreffen in Todenbüttel.


Stolzer Trommler Timo

Auf dem Foto sieht man deutlich Timos Konzentration. Man muss dazu sagen, dass er bei diesem Einsatz abgelenkt war und sich offensichtlich von den "auf dem Boden direkt vor ihm krabbelnden und spielenden Kindern seiner Altersgruppe" gestört fühlte. Es fiel ihm sehr schwer durchzuhalten und weiter zu trommeln, und es war wohl das erste mal, dass er überhaupt zwischendurch aufhörte, wobei nach kurzen Sekunden der Ablenkung schon wieder eine gewisse Automatik einsetzte. Dann schüttelte er sich kurz und trommelte weiter. Klein Timo und diese Situation fielen Franz Lehmer auf, einem Hobbyfilmer aus Rendsburg, der das Musikfest aufnahm. Er nahm Kontakt zu uns auf und drehte einen Amateurfilm von Timo mit demTitel "Von wegen kein Nachwuchs". Dazu verfolgte er Timo und seinen Spielmannszug über etwa ein halbes Jahr bei Proben, Auftritten und privat. Der Amateurfilm gelang und belegte landesweit Platz 2. 

Zu dieser Zeit reichte dem kleinen Trommler die Spielzeugtrommel nicht mehr. Allzugern schnappte er sich die Klöppel für Landsknechttrommeln um in den Pausen auf diese großen Geräte zu schlagen. Als wir bemerkten, dass er auch mit diesen "schweren Sticks" umgehen konnte, die fast länger als seine Arme waren, nutzten wir die Gelegenheit um unser Programm aufzuwerten. Da seine Mutter damals von Fanfare auf Landsknechttrommel gewechselt hatte und Timo stets neben ihr stand, war es keine Hürde. Beim "Berliner Ruf" und beim "Ratzeburger Marsch" übergab sie ihm die Klöppel und griff selbst zur Fanfare. Allerdings machte Timo zuviel Krach :-D so dass später leichtere Klöppel für ihn gekauft wurden.

Seine erste Fernsehaufzeichnung absolvierte Timo ebenfalls mit 5 Jahren. Das Schleswig-Holstein-Magazin kam zu Oma und Opa nach Ascheffel. Dort gaben wir damals ein Benefizkonzert für das Rote Kreuz. Timo wurde beim Anziehen der Uniform verfolgt, interviewt und dann beim Konzert eifrig gefilmt. Doch zur gleichen Zeit begann die Golfkrise und so wurde die Aufzeichnung nicht ausgestrahlt.


Timo an der Landsknechttrommel seiner Mutter
Ausschnitt aus unserer Jubiläumscollage "10 Jahre Musikkorps Rendsburg"

Doch um einen Fernsehauftritt kam Timo trotzdem nicht herum. Er trat in der Fernsehsendung "Kinderquatsch mit Michael" - Aufzeichnug vom WDR, die am 26.03.1991 von der ARD augestrahlt wurde auf. Erst ging es zum Casting nach Berlin und nachdem man Timo auswählte, ging es zur Aufzeichnung nach Köln. Nun präsentierte Timo die Vereinsuniform bundesweit in der ARD und schlug sich dabei recht wacker mit seinen 6 Jahren. Er erzählte Michael Schanze von seinen "Fischen, Fröschen und Schlangen im Aptvarium" (Timo hatte damals einen Sprachfehler). Und als der Entertainer ihn nicht verstand und nachfragte, wo sich denn bitteschön die Schlangen befinden, antwortete Timo keck: "Das hast du doch gerade eben schon gefragt!" Auch erzählte Timo davon, dass die Brusttasche an der Uniform für "Geld" und so gedacht ist :-D - nicht selten steckten Leute aus dem Publikum ihm ja etwas Taschengeld zu, und er erzählte aus dem Vereinsleben von seinen schönsten Erlebnissen wie "Twitschiejagd (das Spiel: Quitschiejagt)"  und "Drillen (Grillen). Michael Schanze neckte daraufhin unseren Trommler: "Aaaaaaaach Drillen, mit Drillketchup und Drillwurst!" :-D  

Musikalisch präsentierte Timo sich beim Kinderquatsch mit Michael natürlich nicht nur singend sondern auch mit der Trommel, wobei ihm allerdings sein Spielmannszug fehlte. Doch auch das konnte Timo nicht erschüttern - er sang den La Bostella einfach selbst, während er trommelte. Der geplante Gesangstitel: "Ich kenn ein Girl am Zuckerhut" von Erik Silvester ging etwas schief; aber nicht etwa bei Timo sondern beim begleitenden Klavierspieler. Dieser hatte nämlich Tinas Mutter kurz vor der Show auf Band singen lassen, weil er den Titel nicht kannte. Und da sie sich ungern singend vor Fremden präsentierte und daher ziemlich nervös war, sang sie das Lied in einer falschen Tonlage auf das Band. Als der Klavierspieler dann in der Show den Titel einstimmte, zeigte Timo sich irritiert. Aber er sang sein Original, blickte aber den Klaverspieler böse an, der tüchtig zu kämpfen hatte Klavierspieler hatte um den rechten Ton zu finden. Als er ihn dann endlich fand, hielt das nicht lange vor; denn der letzte Vers des Liedes ist nach oben transponiert. :-D Nicht nur wir sondern auch Moderator Michael Schanze lachten Tränen, als der Klavierspieler verzweifelt die Tonlage suchte, während Timo - sichtlich irritiert von diesem "Falschspieler" - seine Stimme etwas erhob und mit bösem Blick und noch kräftigeren Stimmchen seinen Part weitersang, auch wenn es etwas schrill klang.

Scheinbar entdeckten die Profis, dass hier ein kleines Talent am Werk war; denn das Interview, Trommelsolo und Gesang sollten nicht alles sein, was Timo in seiner Vereinsuniform im Fernsehen darbot. Stargast der Sendung war Mathias Reim, der am Schluss der Sendung den Titel "Warum" präsentierte.  Als die ersten Töne erklangen und die Snaredrum deutlich erklang, schnappte sich Michael Schanze ganz unverhofft den Jungen, wanderte mit ihm in unsere Richtung (Oh Schreck!!) hinter den Kameras vorbei, und schob ihn auf die Bühne - mitten in die Band. Timo war sichtlich nervös, verstand zunächst nicht, was man wollte und was er davon halten sollte. Doch nach ein paar Handzeichen stellte er sich brav - wie es sich für einen echten Spielmann gehört - in die zweite Reihe, d. h. hinter dem Dudelsackspieler auf. Die Kameraleute bekamen dadurch zu tun und hatten anfangs ziemliche Probleme damit ihn hinter dem großen Mann im Bild einzufangen; aber es glückte doch alles. In der ausgestrahlten Sendung konnte man dann obendrein in Nahaufnahme sehen, wie Timo seine Lauscher richtiggehend nach hinten streckte um den ungewohnten Trommelrhythmus im Köpfchen aufzunehmen und dann mitzutrommeln. Die Bandmitglieder hatten es sicher nicht einfach weiterzuspielen; denn auch sie mussten lachen. Aber Timo nahm die Sache ernst, spielte seine Trommel nach kurzem Zögern und schunkelte nebenbei noch mit, weil sein Vordermann, der Dudelsackpfeifer, es auch tat - eben wie ein echter Spielmann.

Am Schluss der Sendung ergatterte Timo nicht nur Geschenke für sich selbst, sondern setzte durch, dass seine kleine Schwester "Saskia" etwas bekam, obgleich das nicht vorgesehen war. Als wir ihn nach der Sendung abholten kam Michael Schanze auf uns zu und lachte sich schlapp über den kecken Jungen, der ihm glatt an der Hose gezupft hatte um zu fragen, ob er die Sachen erstmal abstellen kann "bis Mama und Papa kommen", damit er noch etwas für seine Schwester aussuchen kann. "Ich kann nicht alles allein tragen," hat er wohl zum Moderator gesagt. Kleine Neckereien seiner Spielmannszugkameraden sorgten dafür, dass Timo nach dieser Sendung endlich seinen Sprachfehler los wurde. Er übte wohl heimlich; denn eines Tages kam er unverhofft aus dem Kinderzimmer und sagte - stolz wie Oscar:

"Mama, hör mal - Ggggrrrrrrassssss!"      

Die Jahre vergingen, Timo wurde von den Medien in ganz Schleswig-Holstein verfolgt und kam beim Publikum an. Ganz besonders fiel das u. a. im Karneval auf. Ein paar Jahre lang zogen wir mit der Karnevalsgesellschaft Nygemünster (Neumünster) durch die Lande. Bei den Einsätzen in Neumünster, Norderstedt, Damp, Großenaspe und Trappenkamp fiel Timo auf - und neben ihm auch seine Schwester Saskia, die mit 5 Jahren auch schon Flöte spielte.

  
Timo und seine Schwester beim Karneval

Bei fast allen Anlässen mussten die beiden auf einen Tisch und eine Soloeinlage bringen, was ihnen oftmals auch etwas Taschengeld einbrachte. Nebenbei wurden sie im Einzelfall auch für karnevalistische Einlagen ganz spontan aus unseren Reihen geholt und tanzten dann mit dem Jugendbetreuer Norbert über den Saal z. B. als Lars vom Mars oder als Schweinchen verkleidet. 


Ich heiße Lars
und komm´  vom Mars
bei mir sieht aaaaaalles anders aus... lalalalala

Timo fand bei einem solchen Anlass heraus, wie er zu Geld kommen konnte. Er stand am Ende einer Seniorenveranstaltung in Norderstedt zufällig an der Garderobe. Die alten Leute kamen und fragten ihn, ob er denn nicht müde sei. Flugs hielt der kleine Knirps eine Hand an den Kopf, die andere streckte er schon aus um mitleiderhaschend zu sagen: "Ich bin krank!" Das ließ die Kasse an diesem Abend zusätzlich klingeln. Seine Brusttasche füllte sich mit Markstücken :-D 

Mit 10 Jahren bekam Timo sein erstes Schlagzeug zu Weihnachten. Die Grundbegriffe brachte seine Mutter ihm bei, die zu dieser Zeit selbst noch Marschtrommel spielte. Doch die Ausbildung erfolgte mangels Erfahrungen recht laienhaft, da es für Timos Mutter auch schwierig war, mit Händen und Füßen zu arbeiten. Es wurde Fachliteratur gekauft und ein Selbststudium vorgenommen. Schritt für Schritt; aber in ganz langsamen Tempo ging es aber vorwärts, so dass einige Rhythmen am Schlagzeug zusammenkamen.

Weihnachtsbescherung 1995 bei Timo

Für Timo war es kein Problem das Gelernte umzusetzen und recht schnell die notwendige Geschwindigkeit an den Tag zu legen. Damit wurde er schon wieder ein Blickfang in der Öffentlichkeit; denn man konnte ihn hinter dem Riesenschlagzeug kaum sehen :-D. Kurze Zeit stieß zufällig Holger Landrock zum Musikkorps Rendsburg, der seine Stiefkinder anmeldete. Bei den ersten Gesprächen fanden wir heraus, dass er sich als Schlagzeuger bei der Gruppe Rally in Schleswig betätigte. Da er ein aufgeschlossener Kerl war, fiel es nicht schwer ihn darum zu bitten dem Jungen zu unterrichten und er war bereit dazu. Gleich nach dem ersten Privatunterricht stellte Holger aber fest: "Ich kann ihm nicht viel beibringen, er kann schon so gut wie alles und ist für alle Musikrichtungen zu gebrauchen."

Holger sorgte in der Folgezeit aber dafür, dass Timos Schlagzeug um einige Zubehörteile erweitert wurde, die bei dem "billigen" Standardgerät fehlten und arbeitete mit Timo, damit er die vielen Becken auch ordentlich bearbeiten konnte. Für einen Start an der Deutschen Meisterschaft 1998 kauften wir auf sein Anraten hin ein Schlagzeug, das besser zu Timos Größe passte und auch mehr Qualität aufbot. Die Anschaffung sollte sich lohnen; denn Timo hatte nun noch mehr Spaß am Spielen und entwickelte sich schnell als kleiner Zauberer am Instrument.


Timos zweites Schlagzeug.

 Im Jahr 1998 erzielte er mit seinen jungen Jahren sogar die Höchstnote in der Erwachsenenklasse
auf Bundesmeisterschaften des DBV in Freyburg an der Unstrut. 


Im Jahr 1999 lernten wir den Fanfarenzug der Feuerwehr Salzgitter kennen - Timo war knapp 14 Jahre, und wieder mal wollte ein
Orchester unseren kleinen Star klauen, nachdem man ihn mal nebenbei bei einem Auftritt ans Schlagzeug gesetzt hatte.
Und wie immer stellte Timo die Ohren auf und spielte trotz der unbekannten Musik und Instrumentenbesetzung auf Anhieb auf Anhieb mit.



Klein aber oho - das Meisterkorps 2000 des DBV mit Timo am Schlagzeug

  
Timo 2002

Als Timo ins Jugendalter kam, gab es eine Wendung in seinem Leben. Holger Jensen, der Bandleader der Tanzkapelle "Doppelzentner" trat auf einer Familienfeier mit der Bitte an uns heran, dass Timo bei ihm Schlagzeug spielen dürfe. Wir stimmten dem zu, sollten es aber später z. T. auch bereuen; denn nun gab es Terminüberschneidungen und manchmal war das Musikkorps Rendsburg die leidtragende Seite. Das Spielen in der Band machte ihm natürlich mehr Spaß und ließ ihn dann obendrein auch häufig die Gruppenregeln im Verein vergessen, so dass es manchesmal Probleme mit ihm gab. Aber es war klar: Als junger Mann am Schlagzeug wirkte er im Verein nicht mehr ganz so attraktiv auf das Publikum wie früher, in der Band kam er dagegen mehr als gut an. Die Doppelzentner kauften auch noch ein elektronisches Schlagzeug für ihn, so dass Timo sich weiter entfalten konnte. Zu dieser Zeit richtete Timo auch eine eigene homepage ein.

  
Timo im Einsatz


bei unserem 15-jährigen Bestehen im Jahr 2003 mit den Doppelzentnern

Im Dezember 2004 trat Randy Delfs an Timo heran, ein in Rendsburg und Schleswig-Holstein recht bekannter Bandleader, der mit seinen Gruppen "Black & White Showband" und "Top Union" ziemlich weit vorn in Schleswig-Holstein steht und Saxophon in der "Magic Bigband" spielt. Nun wird unser "kleiner Trommler Timo" also ab 2005 wieder eine Stufe weiter klettern. Ein Trommler, der im Fischerhemd auf einer "Spielzeugtrommel" anfing, seine Kindheit im Musikkorps Rendsburg als Publikumsliebling verbrachte, Erfolge auf Landes- und Bundesebene verzeichnen konnte um dann im T-Shirt, Hemd oder Anzug in einer Stimmungskapelle vorwiegend auf Familienfeiern zu spielen. Nun wird man ihn auch auf Großveranstaltungen und Galaabenden in und um Rendsburg sehen können bei Veranstaltungen wie "Stars & Circumstances im Conventgarten" oder Rendsburgs längste Nacht . Talent hat er und den dazugehörigen Frack hat er sich auch gekauft :-D.


Timo (rechts im Bild) bei Black & White

Seinen ersten Einsatz bei Black & White brachte er beim Polizeiball im Conventgarten am 21.01.2005 hinter sich.


Timo (vorn im weißen Jacket) bei Top Union

Verrückt bei Timos Werdegang ist eine ganz andere Geschichte. Es gab vor einigen Jahren einen recht böswilligen Angriff auf Spielleute von einem BigBandLeader aus Rendsburg, an den sich wohl alle beteiligten Spielleute noch heute erinnern. Der Bandleader stellte Spielmannszüge als musikalische Umweltverschmutzer hin und unterstellte damals, dass die Kinder vermarscht und jeder Kreativität beraubt werden u. m.. Die Schlacht wurde in Presse und Radio Schleswig-Holstein gefochten, Bandleader und Zeitung sind zwischenzeitlich aus Rendsburg verschwunden. Schade eigentlich - mit Timo haben wir den Gegenbeweis geliefert. Spielleute können sich eben doch kreativ entfalten, wenn im Verein genug dafür getan wird und sie selbst auch genug dafür tun. Eines ist nämlich sicher: Alles, was unser Timo am Schlagzeug kann, hat er von "alten" Spielleuten gelernt, die schon vor Jahrzehnten "vermarscht" wurden. Nur wenige Kniffe am Schlagzeug hat er von einem Schlagzeuger gezeigt bekommen, der unseren Verein Ende der 90er ein Stück des Weges begleitete. Der Rest wurde vereinsintern erarbeitet und beigebracht.

Trotz aller - zeitweise auch negativen Einflüsse von außen, Konflikte im Verein und Timos Mitwirken in Bands haben wir ihn nicht verloren. Er ist immer noch Mitglied und verstärkt uns gerne an seinem alten Schlagzeug oder an der Marschtrommel. Dass sein Herz immer noch für die Spielleute und das Musikkorps Rendsburg schlägt, zeigt er seiner Familie gern, indem er sich im häuslichen Bereich ereifert und nach Lösungen sucht, wenn im Verein etwas nicht zum Besten steht. Im Moment schmiedet er außerdem den Plan mit ein paar ehemaligen Trommlern und Freunden eine Drumband im Musikkorps Rendsburg zu gründen. Wer weiß, vielleicht gelingt es ihm. Er ist reifer geworden und hat sich die Hörner beim Erwachsenwerden schon etwas abgestoßen.

Wir wünschen ihm und uns jedenfalls, dass sein Traum wahr wird und werden ihn gern dabei unterstützen. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   



Datenschutzerklärung
Eigene Webseite von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!